In den kommenden Jahren laufen in großer Zahl EEG-Verträge aus. Nach 20 Jahren endet die ursprüngliche Einspeisevergütung, die viele Photovoltaik-Anlagen auf Unternehmensdächern erst wirtschaftlich gemacht hat. Die gute Nachricht: Ihre Anlage muss weder abgeschaltet noch abgebaut werden. Aber Sie sollten bewusst entscheiden, wie Sie sie künftig nutzen wollen.
In diesem Beitrag erhalten Sie einen Überblick über Ihre Optionen nach dem EEG-Auslauf – und warum Eigenverbrauch in Kombination mit einem Batteriespeicher für viele Unternehmen heute die interessanteste Lösung ist.
1. Was bedeutet das Ende der EEG-Förderung konkret?
Nach etwa 20 Jahren Laufzeit (genau: im 21. Betriebsjahr zum Jahresende) endet die feste Einspeisevergütung nach EEG. Ihre Anlage gilt dann als „ausgefördert“ bzw. Post-EEG-Anlage. (Verbraucherzentrale.de)
Wichtig:
- Sie dürfen die Anlage weiter betreiben.
- Sie dürfen weiter Strom einspeisen.
- Die Vergütung verändert sich: Statt des alten, hohen Tarifs erhalten Sie nur noch den sogenannten Jahresmarktwert Solar abzüglich Vermarktungskosten. (Clearingstelle EEG|KWKG)
Der Jahresmarktwert Solar lag in den letzten Jahren bei wenigen Cent pro Kilowattstunde und damit deutlich unter heutigen Strombezugspreisen. (Netztransparenz)
Parallel hat sich der rechtliche Rahmen zu Ihren Gunsten geändert:
- Die EEG-Umlage auf Eigenversorgung wurde mit dem EEG 2023 endgültig abgeschafft. Eigenverbrauch ist damit umlagefrei möglich. (Clearingstelle EEG|KWKG)
- Für kleinere Anlagen bis 30 kWp gibt es steuerliche Erleichterungen (keine Einkommensteuer auf die PV-Erträge), was auch viele Bestandsanlagen betrifft. (sonnen.de)
Für gewerbliche Dachanlagen im Mittelstand bedeutet das: Einspeisen wird weniger lukrativ, Eigenverbrauch und intelligente Nutzung der Energie werden wichtiger.
2. Ihre Optionen nach dem Auslaufen der EEG-Vergütung
Grundsätzlich haben Sie nach dem Förderende vier Hauptwege, mit Ihrer Anlage weiterzumachen. (Verbraucherzentrale.de)
Option 1: Weiter einspeisen wie bisher
Sie speisen den Strom weiterhin komplett ins Netz ein. Der Netzbetreiber vergütet Ihren Strom auf Basis des Jahresmarktwerts Solar (abzüglich Vermarktungskosten).
Vorteile
- Kein Umbau nötig
- Einfacher Weiterbetrieb, wenig Aufwand
Nachteile
- Vergütung pro kWh ist deutlich niedriger als früher
- Sie profitieren nicht von möglichen Einsparungen durch Eigenverbrauch
- Bei steigenden Strompreisen wird der Abstand zur Einspeisevergütung immer größer
Option 2: Umstellung auf Eigenverbrauch
Sie nutzen den Solarstrom künftig selbst, z. B. für Produktion, Büro, Kühlung oder Ladeinfrastruktur. Überschüsse können weiterhin eingespeist werden, dann aber zum Marktwert.
Vorteile
- Jede selbst verbrauchte kWh ersetzt teuren Netzstrom
- Eigenverbrauch ist umlagefrei (keine EEG-Umlage mehr) (Clearingstelle EEG|KWKG)
- Sie reduzieren Ihre Abhängigkeit von steigenden Strompreisen
Typische Hürden
- In der Mittagszeit entsteht oft mehr PV-Strom als aktuell verbraucht wird
- Ohne Speicher bleibt der Eigenverbrauchsanteil begrenzt (z. B. 20–40 %, oft weniger bei gewerblichen Lastprofilen)
Option 3: Direktvermarktung
Sie vermarkten den Strom über einen Direktvermarkter am Strommarkt. Das ist in der Regel bei größeren Anlagen interessant.
Vorteile
- Teilnahme am Strommarkt, ggf. Zusatzoptionen über Vermarktung von Flexibilitäten
- Bei geeigneten Profilen können höhere Erlöse möglich sein als beim Jahresmarktwert mit Pauschalvergütung
Nachteile
- Höhere Komplexität, Aufwand für Vertrag, Abrechnung und ggf. technische Anpassungen
- Erlöse schwanken mit den Marktpreisen
- Ohne Speicher können Sie Marktchancen nur bedingt nutzen
Option 4: Repowering / Anlagentausch
Sie demontieren die alte Anlage teilweise oder komplett und installieren eine neue PV-Anlage mit aktueller Technik.
Vorteile
- Höhere spezifische Erträge mit modernen Modulen
- Erneuter Anspruch auf EEG-Vergütung für die neue Anlage innerhalb der geltenden Grenzen (Bundesnetzagentur)
Nachteile
- Investitionskosten, statische Prüfung, baulicher Aufwand
- Frage, was mit der alten Anlage passiert (Weiterbetrieb, Verkauf, Recycling)
Repowering ist besonders dann interessant, wenn die Dachfläche knapp ist und Sie die Leistung pro Quadratmeter maximieren müssen.
3. Warum Eigenverbrauch mit Speicher für viele Unternehmen der Hebel ist
Für viele gewerbliche Betreiber ist der Strombezugspreis heute deutlich höher als das, was sie für eingespeisten Solarstrom erhalten. Eigenverbrauch schlägt Einspeisung – erst recht nach dem EEG-Auslauf.
Ohne Speicher: Gute Idee mit begrenztem Effekt
Stellen Sie Ihre Ü20-Anlage auf Eigenverbrauch um, steigt der Eigenversorgungsanteil. Typische Effekte:
- Tagsüber genutzter Strom (Produktion, Büro, Kühlung) wird direkt aus der PV gedeckt.
- In der Mittagszeit gibt es weiterhin Überschüsse, die günstig ins Netz gehen.
- Abends und nachts bleibt der Netzbezug hoch.
Ohne Speicher bleibt ein großer Teil Ihres Potenzials ungenutzt.
Mit Batteriespeicher: PV-Ertrag in Ihre Lastspitzen verschieben
Ein gewerblicher Batteriespeicher verändert die Gleichung:
- Eigenverbrauchsquote steigt
Mittags überschüssige Energie wird im Speicher zwischengelagert und abends/ nachts genutzt. Sie erhöhen den Anteil des selbst genutzten Solarstroms deutlich. - Leistungspreise und Lastspitzen können sinken
Der Speicher kann gezielt in Momenten hoher Last entladen werden (Peak Shaving) und so Ihre Jahreshöchstlast und Netzentgelte reduzieren. - Freie Netzkapazität kann monetarisiert werden
Wenn Ihr Hausanschluss größer ist als Ihr typischer Verbrauch, kann der Speicher genutzt werden, um freie Kapazitäten z. B. für Direktvermarktung oder Netzdienstleistungen bereitzustellen. - Flexibilität für zukünftige Anwendungen
Ladeinfrastruktur, neue Maschinen oder Kälteanlagen können mit dem Speicher einfacher integriert werden, auch wenn der Netzanschluss begrenzt ist.
4. Praxis-Check: Lohnt sich ein Speicher nach EEG-Auslauf für Ihr Unternehmen?
Ein Post-EEG-Speicher lohnt sich besonders, wenn:
- Ihre PV-Anlage tagsüber deutliche Überschüsse erzeugt.
- Ihr Strompreis deutlich höher ist als der Marktwert, den Sie für eingespeisten Strom erhalten. (Netztransparenz)
- Ihr Jahreslastgang ausgeprägte Spitzen aufweist (z. B. Maschinenanlauf, Ladevorgänge).
- Ihr Hausanschluss mehr kW bereitstellt, als Sie dauerhaft benötigen.
- Sie eine Amortisationszeit von ca. 5–7 Jahren bei einer technischen Lebensdauer des Speichers von bis zu 15 Jahren akzeptabel finden (konkrete Werte hängen vom Einzelfall ab).
Unabhängigkeitsrechner
Abschätzung von Autarkiegrad und Eigenverbrauchsanteil für PV-Anlagen mit Batteriespeicher. Die Berechnung verwendet ein vereinfachtes Last- und PV-Profil und ist als Näherung zu verstehen.
Eingaben
Live-SimulationErgebnisse
Jahresbilanz5. So gehen Sie vor, wenn Ihr EEG-Vertrag in den nächsten Jahren ausläuft
- Restlaufzeit und Anlagendaten prüfen
Wann genau endet Ihre EEG-Vergütung? Welche Leistung hat die Anlage, wie hoch sind Jahresertrag und bisherige Einspeisemengen? - Lastprofile und Stromkosten analysieren
Fordern Sie von Ihrem Energieversorger/Netzbetreiber Lastgangdaten (mindestens 15-minütig) und prüfen Sie Strompreis, Leistungspreise und Netzentgelte. - Szenarien vergleichen
- Weiter einspeisen zum Jahresmarktwert
- Umstellung auf Eigenverbrauch ohne Speicher
- Eigenverbrauch mit Speicher (inkl. Peak Shaving / Direktvermarktung)
- Technische Machbarkeit klären
Netzanschluss, Platz für Speicher, Brandschutz, Messkonzept, Kommunikation (z. B. Anbindung an Direktvermarkter). - Wirtschaftlichkeitsrechnung erstellen
Am besten mit einem Partner, der sowohl PV, Speichertechnik als auch Messkonzepte und Netzanbindung versteht.
